Biografie

Orgy

Südkalifornien, 1997. In einer Garage hecken Jay Gordon, Ryan Shuck und ihr späterer Produzent Josh Abraham einen Plan aus, der nur wenig später die Musikwelt entscheidend beeinflussen wird und auf den zweideutigen Namen Orgy hört. Sie teilen die Vision, die Pop-Welt von Grund auf zu verändern – und das nicht nur als hörbares Medium, sondern auch als visuelle Gratwanderung – mit viel Make-up, ausgefallenen Frisuren und edler Kleidung. In der auf Post-Grunge und Nu Metal zentrierten Musikszene der späten 90er erscheint dies wie eine kleine Revolution.

Jay Gordon muss nicht lange in seinem Freundeskreis suchen, bis er die passenden Mitstreiter findet: Den Bassisten Paige Haley und Drummer Bobby Hewitt. Einzig der Wunschkandidat für die zweite Gitarre – Amir Derakh – muss ein wenig überredet werden, da dieser nach den langen Jahren in der Glamrock-Szene keine Lust mehr auf eine normale Gitarre hatte. Jays Angebot, dass es Amir freistünde, was und wie er spielen würde, solange er es auf einer Gitarre zustande bringt, überzeugten den Ausnahme-Gitarristen und das Line-up war perfekt.

Geradezu in Windeseile nahm man daraufhin ein paar Demos auf und übergab sie der befreundeten Band KoRn, die von dem, was sie hörten, so begeistert waren, dass sie Orgy geradewegs als erste Band auf ihrem Plattenlabel Elementree Records unter Vertrag nahmen. Nicht einmal 6 Monate nach ihrer Gründung hatten Orgy nun also einen Vertrag in der Tasche und nahmen ihr Debütalbum auf – etwas, für das andere Band oft Jahre durch Clubs ziehen. Aufgrund der Befürchtung, dass man ausbrennen könnte, entschied man sich letztendlich gegen diesen Schritt einer Club-Tournee und beschloss stattdessen, die schier grenzenlose Energie nach Band-Gründung aufs Album zu konzentrieren.

KoRn bescherten Orgy auch sogleich ihre erste große Tour und nahmen sie zusammen mit Limp Bizkit, Ice Cube, Incubus und Rammstein mit auf die Family Values Tour 1998, auf der sie jeden Tag Tausenden von Zuschauern ihre Musik präsentieren konnten. Schnell stellte sich heraus, dass die damaligen Könige des Nu Metals auf das richtige Pferd gesetzt hatten, denn Orgys erste Single “Blue Monday” (ein Cover des 80er-Hits von New Order) schlug in den USA ein wie eine Bombe und konnte wie später das Album Candyass bis in die Top 5 der amerikanischen Charts vordringen. Amerika liebte den ungewöhnlichen, düsteren elektronisch-rockigen Sound, der die wilden und glamourösen 80er Jahre in das bevorstehende neue Jahrtausend katapultierte.

Es folgten ausverkaufte Headliner-Touren in den USA und Kanada, die zweite erfolgreiche Single “Stitches”, etliche Auftritte bei großen Festivals und mehrere Platin-Auszeichnungen, bevor sich die Band wieder ins Studio begab, um an ihrem zweiten Werk Vapor Transmission zu zimmern. Im Oktober 2000 erschien dann das Album, das man gut und gerne auch als Soundtrack zum neuen Jahrtausend bezeichnen kann.

Orgy klangen auf dem zweiten Werk weniger experimentell als auf dem Vorgängeralbum, dafür umso futuristischer und ausdrucksstärker. Auch Vapor Transmission schaffte es, sich in die oberen Chartplätze einzureihen und Gold einzuheimsen. Die dazugehörige Single “Fiction (Dreams In Digital)” war nicht weniger erfolgreich und lief über Wochen hinweg auf allen Musikkanälen auf Heavy Rotation.

Es folgten weitere Tourneen unter anderem mit Love And Rockets und Papa Roach, jedoch musste das intensive Tour-Programm aufgrund einer schweren Erkrankung von Amir abgebrochen werden. Die Band holte die Daten in den USA teilweise nach, bevor man sich dann wieder ins Studio zurückziehen wollte. Hier begannen die Probleme – nicht nur mit ihrer Plattenfirma Warner Music, von der man sich letzten Endes nach langem Rechtsstreit trennte. Drummer Bobby Hewitt verließ zudem Ende 2002 die Band, um mit seinem Bruder bei der Band Snake River Conspiracy einzusteigen. Das bereits aufgenommene Material zum dritten Album verlor Jay Gordon zu großen Teilen bei einem Computer-Crash und Gerüchte über Drogenprobleme in der Band machten die Runde. Als dann auch noch zu allem Überfluss Ryan Shuck und Amir Derakh ihr Projekt Julien-K aus der Taufe hoben, glaubte man bereits an das Ende von Orgy.

Doch die Befürchtungen erwiesen sich als falsch. Die Band stieg kurzerhand bei D1 Music ein (ein Label, das Jay Gordon gemeinsam mit seinem Vater Lou Gordon gegründet hatte) und arbeitete weiter an dem Nachfolger zu Vapor Transmission. Erste Hörproben hinterließen einen deutlich rock-orientierteren Eindruck als auf den ersten beiden Platten. Als Weihnachtsüberraschung 2003 kündigte sich die Rückkehr von Bobby hinter das Schlagzeug an, bevor Anfang 2004 das lang erwartete dritte Album Punk Statik Paranoia erschien. Hier schlugen Orgy andere Töne als auf den Vorgängeralben an: Die Synthesizer wurden zurückgeschraubt und Jay Gordons normalerweise kryptische Texte waren auf diesem Album merklich offener konzipiert.

Auch Punk Statik Paranoia wurde in den USA kräftig betourt, bevor man sich an die Zusammenstellung der ersten DVD Trans Global Spectacle machte, welche vor allem Backstage-Material aus den vergangenen 7 Jahren zeigte. Sie erschien im August 2005 und zog eine weitere kurze Tour nach sich. Ihren bis dato letzten Live-Auftritt bestritten Orgy im Jahr 2006, bevor es still um die Band wurde. Amir und Ryan widmeten sich Julien-K, Paige und Jay brachten eigene Solo-Projekte auf den Weg und Bobby widmete sich der Arbeit als Fotograf und Regisseur.

In den darauffolgenden Jahren hatte sich die Band nie offiziell getrennt und alle Mitglieder gaben an, noch immer bei Orgy dabei zu sein. Jay Gordon trat sogar Ende 2008 gemeinsam mit Julien-K auf und performte mit ihnen Orgys Überhit “Blue Monday”. Danach verloren sich die Mitglieder jedoch immer mehr aus den Augen und trotz gelegentlicher Aussagen, dass eine Reunion nicht auszuschließen ist, wurde im Oktober 2010 das Ende der Zusammenarbeit Jays mit den anderen vier Mitgliedern bestätigt. Diese vermuteten, Jay würde die Band ohne sie weiterführen, da er im Besitz der Namensrechte ist – und diese Vermutung sollte sich bestätigen: Im Jahre 2011 verkündete Jay Gordon schließlich, dass er ein neues Projekt mit dem Namen Orgy gründen möchte – jedoch in einem völlig neuen Line-up ohne irgendeines der anderen Original-Mitglieder. Damit stieß er die anderen vier ziemlich vor den Kopf und seitdem herrscht ein eher gespanntes Verhältnis zwischen beiden Parteien. Für viele Fans und für die anderen Mitglieder war dies nun definitiv das enttäuschende Ende der Ära “Orgy”, wie man sie immer gekannt und geschätzt hat. Ausführlichere Posts zu dem Thema könnt ihr HIER und HIER lesen.

Erneute Verhandlungen über ein Comeback in der Originalbesetzung scheiterten leider an zu großen Differenzen über die Voraussetzungen einer möglichen Wiedervereinigung; trotz der Bereitschaft vor allem Ryans und Amirs, wieder als Orgy zu spielen. Sänger Jay Gordon hingegen steht der Sinn nach neuen Mitgliedern und völliger kreativer Kontrolle über das Projekt und somit geht er ab Ende Februar 2012 mit einer bis zu diesem Zeitpunkt unbekannten neuen Besetzung unter dem Namen Orgy auf Tour.

 

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